Baumaßnahmen

Zu den Baumaßnahmen der Jahre 2005 bis 2019
 



Umsetzung des kulturellen Nutzungskonzeptes
ab Juli 2020


 
EFRE
Europa
 

Mit großer Freude teilt der Vorstand des Fördervereins Schloss Zerbst e. V. mit, dass der Zuwendungsbescheid für die Realisierung des Großprojektes "Umsetzung des kulturellen Nutzungskonzeptes" am 10. Juli 2020 eingetroffen ist. Diese Zuwendung ist ein großer Meilenstein in der ehrenamtlichen Tätigkeit des Fördervereins und der Bewahrung des Zerbster Schlosses für nachfolgende Generationen.

Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 2.405.611,00 Euro bei einer Förderung von 2.078.629,87 Euro. Der Projektzeitraum erstreckt sich von Juli 2020 bis März 2022.

Die Zuwendung erfolgt über CLLD / LEADER im Rahmen des Programms "Sachsen-Anhalt KULTURERBE" gemäß der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Investitionen zur Verbesserung der Präsentation und nachhaltigen Nutzung des kulturellen Erbes im Land Sachsen-Anhalt (Kulturerbe-EFRE-Richtlinie). Zuwendungsgeber aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ist die Investitionsbank Sachsen-Anhalt.

Bis zum Eintreffen des Bescheides war es ein sehr langer, steiniger Weg, doch der Vereinsvorstand agierte zielstrebig und hartnäckig. Die Projektanmeldung bei der Lokalen Aktionsgruppe "Mittlere Elbe-Fläming" erfolgte bereits im Juli 2017, die Antragsstellung bei der Investitionsbank im Februar 2018. Die Erstellung des komplexen Antrages, der mehrfach modifiziert wurde, war außerordentlich arbeitsintensiv. Eine Vielzahl an Dokumenten mussten erstellt und beigebracht werden. Die meiste Zeit nahmen schließlich die geforderte EU-weite Ausschreibung der Planungsleistungen und die Erarbeitung der Planunterlagen zur Prüfung durch die Landesbehörde BLSA in Anspruch.

Das Entwicklungs- und Nutzungskonzept für das Schloss, das die Stadträte auf der Stadtratssitzung am 30. Januar 2019 einstimmig beschlossen haben, bildet die entscheidende Basis für dieses Großprojekt. Die Realisierung dieses Projektes ist aus zwei Gesichtspunkten von ganz besonderer Bedeutung. Die vom Bauordnungsamt des Landkreises geforderte Umsetzung des Brandschutzkonzeptes ist eine entscheidende Basis, um das Schloss mit seinen Ausstellungen überhaupt weiterhin offen halten und Veranstaltungen anbieten zu können. Außerdem werden nunmehr nur noch Förderanträge bewilligt, die zwingend die Barrierefreiheit implizieren. Das ist im Schloss derzeit überhaupt nicht der Fall und kann auch mit kleinen Maßnahmen nicht erreicht werden. Nach der Umsetzung des jetzigen Vorhabens wird das Schloss barrierefrei zugänglich sein.

Für die engagierte, lösungsorientierte Unterstützung dankt der Vereinsvorstand der Lokalen Aktionsgruppe "Mittlere Elbe-Fläming", insbesondere Frau Kurzke vom LEADER-Management, sehr herzlich. Ein ebensolcher herzlicher Dank gilt der Stadt Zerbst/Anhalt als Eigentümerin des Schlosses, insbesondere dem Bürgermeister Herrn Dittmann und dem Schlossausschuss, für die Hilfe und speziell für die Durchführung der EU-weiten Ausschreibung der Planungsleistungen.

Für die sehr angenehme, das Ziel vor Augen habende Zusammenarbeit danken wir auch der Bau-Consult Hermsdorf und dem Ingenieurbüro Kunhart Wasserleben sowie den Mitarbeitern der Investitionsbank Sachsen-Anhalt ganz besonders.

Das Großprojekt beginnt mit der Erarbeitung der Bauanträge und sonstigen notwendigen Anträge, gefolgt von den Ausschreibungen. Wenn alle Genehmigungen und den bewilligten Beträgen entsprechende Angebote vorliegen, können die Bauarbeiten zum Ende dieses Jahres beginnen.

Das Projekt der "Umsetzung des kulturellen Nutzungskonzeptes" im Zerbster Schloss setzt sich aus drei verknüpften Komponenten zusammen. Dazu gehören die Realisierung des Brandschutzkonzeptes, die Herstellung der Abschlussdecke mit Dach oberhalb des Mittelrisalits und die Errichtung eines Aufzuges mit der Anbindung aller Etagen des Schlosses.

Das Konzept zur Umsetzung des Brandschutzkonzeptes umfasst baukonstruktive Maßnahmen und technische Ausrüstungen sowie Baunebenkosten. Es werden drei neue Außentüren und im Inneren zahlreiche Brandschutztüren sowie zwei Brandschutzwände zur Abschottung der drei Treppenhäuser hergestellt und eingebaut. Außerdem werden zwei neue Fluchtwegausgänge auf den Schlosshof realisiert. Die im Erdgeschoss zu installierenden Brandschutztüren sind im Brandfall selbstschließend, so dass im Veranstaltungs- und Ausstellungsbetrieb die Barrierefreiheit garantiert ist. Weiterhin werden bauliche Sicherungen am Ausgang des Mittelrisalits vorgenommen und provisorisch verschlossene Fensteröffnungen wiederhergestellt. Außerdem sind Feuerlöscher, Notbeleuchtungen in den Treppenräumen und verschiedenen Ebenen, Rettungswegpiktogramme und eine Hausalarmanlage zu installieren.

Die neue Abschlussdecke mit Dach wird oberhalb des zweiten Obergeschosses des Mittelrisalits zur Nutzbarmachung der Räume und Bereiche darunter entstehen. Vor der Errichtung der neuen Decke müssen die einsturzgefährdeten Hauptgesimse und maroden Notdecken mit ihren wesensfremden Betonunterzügen abgebrochen sowie die absturzgefährdeten Balustraden, Figuren und Vasen abgenommen und sichergestellt werden. Danach wird über die gesamte Fläche des Mittelrisalits mit Ausnahme des Treppenhauses eine Stahlbetondecke eingezogen. Parallel werden die beiden mit der Decke verbundenen Hauptgesimse auf der Hof- und der Gartenseite rekonstruiert. Im nächsten Arbeitsschritt sind die beiden Treppenläufe wieder bis zur Dachebene zu führen und die Fehlstellen der beiden Kreuzgratgewölbe zu ergänzen. Den Abschluss bildet die Herstellung eines dauerhaften Daches mit Trapezblechabdeckung.

Die Errichtung eines Aufzuges zur Schaffung des barrierefreien Zugangs zu allen Schlossetagen ist aus technologischen und denkmalschutzrechtlichen Gründen nur im nordwestlichen Teil des Schlosses möglich. Durch den Einzug neuer Decken und deren abschließende Abdichtung mittels eines permanenten Daches erfolgt die Anbindung des Fahrstuhles an alle Schlossetagen. Der zu errichtende Fahrstuhl erschließt nicht nur alle Geschosse des Schlosses, sondern gewährleistet auch den barrierefreien Zugang vom Schlosshof und dem ca. sechs Meter tiefer liegenden Weg auf der Nordseite aus. Die zu realisierenden Deckenarbeiten konzentrieren sich auf die beiden Obergeschosse des Haupttraktes. Außerdem werden die Verlängerung der bereits realisierten Fluchtwegtreppe vom zweiten Obergeschoss bis zur Dachebene und der Dachabschluss selbst realisiert. Weiterhin ist die Anbindung aller Etagen an den neuen Aufzug herzustellen.

Mit der Umsetzung der drei Komponenten des kulturellen Nutzungskonzeptes im Zerbster Schloss sind die Inbetriebnahme aller wiederhergestellten Schlossräume und deren kulturelle Nutzung sowie vor allem der gefahren- und barrierefreie Zugang für alle Besuchergruppen gegeben. Darüber hinaus werden weitere Bereiche des denkmalgeschützten, kunst- und kulturhistorisch bedeutenden Gebäudes bewahrt, das wesentlich zur regionalen Identität beiträgt. Dem 2003 gegründeten, ausschließlich ehrenamtlich tätigen Förderverein Schloss Zerbst e. V. gelang es innerhalb von 17 Jahren aktiven Handelns, das Schloss von einer Vollruine in eine bedeutende kulturelle Stätte der Stadt und der Region sowie in einen überregionalen touristischen Anziehungspunkt zu verwandeln. Mit den oben beschriebenen Maßnahmen, die nunmehr ausgeführt werden können, wird daran angeknüpft, die Angebote werden darauf basierend zielgerichtet weiter ausgebaut.


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